Schneeflöckchen, Weißröckchen…

Von Jacob Dilssner, 11. Januar 2010 17:23

Hier ein tolles Video von der ersten Bezirks-Schneeballschlacht – Kreuzberg vs. Neukölln.

Neukölln vs Kreuzberg – Schneeballmassaker! from Andreas on Vimeo.

Am besten finde ich allerdings den Kommentar des Kameramanns:

Am 10.01.2010 fand die erste Schneeballschlacht zwischen Neukölln und Kreuzberg statt. Die sonst so siegreichen Friedrichshainer waren diesmal ausgeschlossen, um den beiden anderen Stadtteilen eine Chance zu lassen…

Jaja, keiner ist gemeiner als der Friedrichshainer! Wir haben ja auch schon neunmal in Folge die Gemüseschlacht gewonnen, da kann man verstehen, dass wir da ausgeschlossen werden ;)

Nächstes mal gehe ich trotzdem hin, macht ja auch so einen Heidenspaß!

Müßiggang!

Von Jacob Dilssner, 2. Januar 2010 18:23

Im Taumel der Feiertage und des Jahreswechsels lassen sich ja viele Menschen zig gute Vorsätze für das neue Jahr einfallen. Sicherlich ganz löblich, auch wenns so gut wie nie was wird. Daher eine Empfehlung von mir: dieser Artikel hier illustriert sehr schön, dass es – um es mit Gandhi zu sagen – wichtigeres im Leben gibt, “als nur dessen Tempo zu beschleunigen”.

Also, guter Vorsatz fürs nächste Jahr: Mehr Muße und Abstand von der “Multioptionsgesellschaft”.

Frohes neues Jahr euch allen! :)

“Vertriebenenbund beharrt auf Steinbach”

Von leon, 17. November 2009 21:18

Mal wieder große Aufregung in Deutschland: Der Bund der Vertriebenen hält an der Nominierung von Erika Steinbach für den Rat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung fest und sorgt damit für Streit bei den schwarz-gelben Koalitionären. Außenminister und Vize-Kanzler Guido Westerwelle hat bereits angekündigt, dass er der Personalie Steinbach, die insbesondere gegenüber Polen schwer zu vermitteln ist, die Zustimmung verweigert. Der BdV erklärt die Personalie zum “Demokratietest für unser Land”.

In bestimmten Bevökerungsteilen sorgt diese Auseinandersetzung offensichtlich für helle Aufregung. Schnell wird klar, dass die eigentliche Frage, inwieweit die Personalie Steinbach glaubhaft für Flucht, Vertreibung und Versöhnung stehen kann, zurückgedrängt wird durch eine andere: “Wieviel[sic] Kniefälle sollen wir vor der Welt machen?” schreibt etwa ein Benutzer des web.de Nachrichtenforums als Kommentar zur zugehörigen Meldung. Es geht um deutsche Schuld und deutsche Identität. Es geht ums Ganze.

Der Grundtenor ist eindeutig: Die Deutschen sollen wieder stolz auf ihr Land sein dürfen. Bisher verbiete ihnen das die “Siegermoral” der “anderen”, namentlich besonders der Polen. Eine sachliche Argumentation scheint aussichtslos, da sofort die verletzte nationale Befindlichkeit berührt wird. Selbstkritik ist fehl am Platze.

Viele wollen offensichtlich ein “normales” Verhältnis zur eigenen Nation entwickeln, haben aber gleichzeitig das Gefühl, dass sie dies nicht “dürfen”. Sie haben das Gefühl, in ein “Büßerhemd” gezwängt zu werden, machen dem Land seine angebliche “Büßermentalität” zum Vorwurf. Dabei geht es nicht um Buße. Es geht um eine Positionierung zur deutschen Vergangenheit, die in vorhersehbarer Zeit wohl keinem Deutschen “erspart” bleibt. Auch 65 Jahre nach Ende des NS-Regimes und recht umfangreicher wissenschaftlicher Aufarbeitung, bleibt seine Bedeutung für Identitätsfragen offensichtlich in weiten Kreisen unklar.

Wie wir uns als Deutsche in Anbetracht der NS-Verbrechen positionieren, ob wir uns überhaupt noch als Deutsche sehen wollen oder die nationale Identität zugunsten anderer komplett über Bord werfen, darauf kann und will ich keine Antwort geben – dies schon aus der Überzeugung heraus, dass es hierauf nicht die eine Antwort für alle gibt. Ich bin aber überzeugt, dass wir uns die Identitätsfrage endlich explizit stellen müssen. Das betrifft nicht die “große Politik”, sondern jeden einzelnen.

Um wieder etwas konkreter auf den Streit zwischen Vertriebenen und Polen zurückzukommen: Hier geht es meiner Ansicht nach vor allem um Anerkennung. Die Polen wünschen sich eine Anerkennung der deutschen Verbrechen, die Vertriebenen wünschen sich von Polen und Tschechien eine Anerkennung des Unrechts der Vertreibung. Jede Forderung nach Anerkennung steht aber vor dem Problem, dass sie nicht so einfach erfüllt werden kann. Niemand kann einfach so auf Aufforderung etwas anerkennen.

Oft heißt es, die Deutschen hätten ja schon ihre Schuld eingestanden. Jetzt seien die “anderen” an der Reihe. Eine Anerkennung, die so einfach zurückgezogen werden kann, verdient ihren Namen aber nicht. Daraus speist sich auch der zumindest zum Teil berechtigte Verdacht vieler Polen, dass es den Deutschen nicht wirklich ernst ist.

Versöhnung bedeutet bedingungsloses Aufeinanderzugehen. Bedingungslos bedeutet, dass eine gleichartige Bewegung der anderen Seite nicht Voraussetzung für die eigene Bewegung sein darf. Eine Nominierung von Erika Steinbach, die sich noch 1991 in einer Erklärung gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze wandte, für den Rat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung wäre aus dieser Perspektive ein radikal falsches Signal. Wie ihr Name jemals, angesichts der teils verständlichen, teils unverständlichen Ablehnung, die ihr aus Polen entgegenschlägt, glaubhaft für Versöhnung in Mitteleuropa stehen kann, ist mir zumindest nicht ersichtlich. Es bleibt zu hoffen, dass Herr Westerwelle genug Rückgrat besitzt, sich gegen die ihm nun unweigerlich entgegenschlagenden Animositäten zu verteidigen und standhaft zu bleiben.

“Wenn man schlägt, hat man seine Autorität schon verloren”

Von Jacob Dilßner, 17. November 2009 19:31

Das Zitat im Titel stammt von der französischen Abgeordneten und Kinderärztin Edwige Antier auf das ich in diesem Telepolis-Artikel gestoßen bin, der mich doch ein wenig konsterniert zurückgelassen hat. In Frankreich ist es bis dato nicht nur legal, es ist auch legitim seine Kinder zu schlagen. Antier will den Gesetzentwurf auch erst einmal nur “einbringen”, die sind also noch ein paar Schritte von der Absegnung und erst recht von der Umsetzung entfernt. Ich finde zwar Antiers Gedanken, dass das Gesetz ins Zivilrecht aufgenommen werden soll und daher nicht sofort ganze Bevölkerungsschichten kriminalisiert (angesichts der juristischen Entwicklung der letzten Jahre die nahezu jeden Menschen zum Straftäter machen) sehr angenehm, nichts desto trotz sollte es doch Sanktionen für gewaltätige Eltern geben.

Auch der folgende Fakt hat mich sehr erschreckt:

In Deutschland wurde das Züchtigungsrecht der Eltern 2000 abgeschafft. Laut § 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu “Inhalt und Grenzen der Personensorge” haben Kinder “ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig”.

Habe ich jetzt irgendwas an “Die Würde des Menschen ist unantastbar” und “Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit” missverstanden? Meiner Ansicht nach versteht es sich von selbst, dass Kinder nicht gezüchtigt werden dürfen, auf welche Art und Weise auch immer. Das unsere “Gründerväter” der Ansicht waren, dass Kinder von diesen Grundrechten freigestellt werden müssten, damit ihre Erzeuger einen Freibrief für elterliche Gewalt erhalten, erstaunt mich doch sehr.

Aber immerhin, jetzt haben wir als eine der fortschrittlichsten Industrienationen der Welt schon seit neun Jahren unseren Kindern ihre Menschenrechte zurückgegeben und Frankreich ist gerade noch auf den Zug aufgesprungen. Kann ja nur besser werden!

Nebenbei, ich will keine Zahlen zu den Übergriffen auf Kinder weltweit, Dunkelziffern oder ähnliches hören, das könnte mir meine Stimmung komplett vermiesen.

Homogen

Von Jacob Dilßner, 4. November 2009 10:40

Wieviel Sinn macht es eigentlich, dass ein demokratisches System (wie z. B. Deutschland) Menschen, deren Ansichten nicht mit dem bestehenden Werte- und Normensatz übereinstimmen, entweder überwacht und kriminalisiert oder Andersdenkende erst gar nicht hier haben will?

Es wird ein Bekenntnis zu Gesetz und Ordnung verlangt und auch getestet (siehe Einbürgerungstest), was ja sicherlich schonmal keine schlechte Idee ist. Allerdings stößt mir auf, dass damit ja nur Menschen (aktiver) Teil dieser Gesellschaft werden können, die sich zum vorgeschriebenen Gedankengut bekennen – ein Entgegegenkommen unsererseits ist nicht wirklich zu erkennen. Und auch die Vorgehensweise des Staates gegen bereits ansässige “Systemfeinde” sieht mir nicht nach den Bemühungen zu einem Dialog zwischen Andersdenkenden aus. Hier wird ebenfalls der enorme Verständnisbedarf, der in einer globalisierten Welt an fällt, einfach ignoriert und mit dem Verfassungsschutz-Knüppel drauf gehauen.

Find ich irgendwie alles suboptimal

Ein ziemlich langer Film…

Von Jacob Dilßner, 3. November 2009 13:01

Letztens mal Gesprächsthema gewesen: Hochgeschwindigkeitskameras. Wenn man nun, gegen jegliche vernüftigen Gründe Wikipedia als Informationsquelle benutzt, so lernt man, dass es drei Arten Hochgeschwindkeitskameras gibt: Anaolge (mit Film und so), digitale (mit Sensor und so) und elektronische (keine Ahnung womit). Auf analogem Wege schafft man bis zu 200.000 Bilder die Sekunde und das ganze auch noch zu humanen Preisen. Die digitale Variante schafft bis zu 1.000.000 Bilder die Sekunde, hierbei ist allerdings die Auflösung auf 1504 Pixel x 1128 Pixel begrenzt. Immerhin, eine Sekunde aufzunehmen verursascht schonmal so 800GB Daten, hier liegt das größte Problem wohl bei der Geschwindkeit und dem Fassungsvermögen der angebundenen Speichermedien.

Interessant wird es aber bei den elektronischen Verfahren, das bis zu 500.000.000 Bilder die Sekunde aufnehmen kann! Einmal angenommen, man würde sich die aufgenommenen Bilder mit der normalen Bildwiederholrate von 25 Bildern die Sekunde angucken, so würde es geschlagene siebeneinhalb (7,5) Monate dauern, sich die eine aufgenommene Sekunde zu Gemüte zu führen.

Wollte ich nur mal so erwähnt haben…

Baroness – Blue Record

Von Jacob Dilßner, 30. Oktober 2009 20:08

Eine Band, die meiner Meinung nach viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält, ist Baroness. Entdeckt habe ich die Band anno 2007 bei MediaMarkt, wo ihr Erstling “Red Album” angepriesen wurde. So verwundert es eigentlich, dass die deutsche Wikipedia nichtmal einen Eintrag über die vier Jungs aus Georgia enthält und bei laut.de zwar ein kurzes Bandportait zu finden ist, allerdings nicht ein Review und falsche Veröffentlichungen gelistet werden. Daher hier also ein grober Umriss meiner liebsten “Metal”-Band zur Zeit:

Baroness gründen sich im Jahre 2003 und veröffentlichen auf dem Label Hyperrealist Records bis 2004 drei EPs mit den einfallsreichen Titeln “First”, “Second” und “Third”, wobei letzteres gleichzeitig ein Split-Album mit der Band Unpersons ist – eine interessante Zusammenarbeit, “A Grey Sigh in a Flower Husk”, wie die dritte EP auch betitelt ist, ist ein sehr empfehlenswertes Stück Musik, aber das soll hier nicht Thema sein.
2007 veröffentlicht die Band ihren ersten Longplayer, “Red Album” und hat damit, jedenfalls bei denen, die es zu Ohren bekommen, gleich einen Stein im Brett. Die Musik ist anspruchsvoll und durchdacht, trotzdem wild und rotzig, einfach sympathisch. Zwar hält sich die Länge der Texte in beschaulichen Grenzen (das Album hat kaum mehr Lyrics als ein Dream Theater-Song), aber wenn Sänger John Baizley einmal seine Stimme erhebt entfaltet die Musik ihre ganze Kraft. Heiser, kräftig, prägnant und nicht zu aufdringlich passt sein, wenn auch nicht allzu flexibles Organ sich perfekt in die brachialen Riffs von Brian Blickles Klampfe ein. Letzterer hat im Herbst 2008 seinen Abschied von der Band bekannt gegeben, was man im neuen Album auch hört: Die Gitarrenarbeit seines Nachfolgers Peter Adams ist ein bisschen weniger rabiat und wirkt fragiler – wenn auch nicht allzu viel.

Aber dieser Fakt passt auch gut zum neuen Album “Blue Record”, was sauberer produziert und durchdachter klingt als der Vorgänger. Die Songs bilden ein zusammen hängendes Konstrukt, das den geneigten Hörer mit nimmt auf eine stets kontrollierte, aber kurvige und wilde Reise durch atmosphärische Gitarrenflächen, intelligentes Drumming und zum Teil auch ein wenig pathetische Hochpunkte. Der Sound von Baroness ist zwar nichts weltbewegend Neues, aber doch eigenständig genug um im Ohr zu bleiben und gerade die großen Melodien von Stimme und Gitarre geben dem Lärm eine Eingängigkeit, die man von einer Metal-Band nicht unbedingt erwartet. Denn das sind Baroness trotz allem: Eine Metal-Band, genauer gesagt “Sludge Metal”, und das hört man (auch wenn man zum Beispiel bei “The Gnashing” gegen Ende bemerkt, dass die Ursprünge der Band im Punk liegen, klingt das Ganze doch sehr nach Dropkick Murphys).
Aber eben die Dynamik der innerhalb der Songs und auch die plötzlichen Wechsel von zerbrechlichem Gezupfe (”Steel That Sleeps The Eye”) zu einer epischen Heavy-Metal-Hymne wie “Swollen and Halo” heben diese Musik ein wenig von vergleichbaren Bands wie Kylesa, Torche oder Isis ab. Für die beiden ersteren hat Mastermind John Baizley sogar mehrere Cover in seinem sehr eigenwilligen Stil gestaltet, den man auch in und auf allen Veröffentlichungen von Baroness findet; eine Mischung aus modernem Comic und Jugendstil mit morbiden Elementen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Baroness mit ihrem Zweitling zwar keinen Durchbruch erleben werden und doch ein sehr gutes Album abgeliefert haben, das sich mit dem genialen “Red Album” messen kann. Und neue Klänge und Ideen bringt die Band auch mit, hier kann man also noch von einigem Potential ausgehen – ich freu mich aufs nächste Album und hoffentlich auf eine Europa-Tour.

Anspieltipps:

  • Jake Leg
  • Swollen And Halo
  • War, Wisdom And Rhyme
  • The Gnashing

Verzerrungen

Von Jacob Dilssner, 15. Oktober 2009 14:13

Mal ein kleines Beispiel, wie sich Nachrichten und Fakten auf dem Weg durch das Netz (oder allgemein Informationswege) verzerren oder gar verloren gehen.

Bin wegen der Überschrift auf diesen Artikel bei gulli:news aufmerksam geworden:

Rechenleistung ist physikalisch begrenzt

Zwei Wissenschaftler der Boston University wollen anhand neuer Erkenntnisse berechnet haben, dass die Leistung des Computers eine Obergrenze hat. Noch in diesem Jahrhundert – in circa 75 bis 80 Jahren – soll die physikalische Leistung ausgeschöpft sein.

Wenn man sich den kleinen Artikel durchliest fällt auf, dass sich kaum Substanz hinter der reisserischen Beschreibung befindet. Gerade mal ein Zitat mit ein wenig Inhalt hat es zu gulli geschafft:

“Aus unseren Berechnungen geht hervor, dass eines Tages keine technischen Möglichkeiten mehr bestehen werden, die Leistung des Computers hochzuschrauben. Wie es bereits im Fall der Lichtgeschwindigkeit bekannt ist, handelt es sich um ein Naturgesetz”

Ahja. Dann wird da einfach mal etwas postuliert und hingestellt, Begründung oder Nachweise – Fehlanzeige. Dem Physikinteressierten reicht das natürlich nicht aus und so guckt man sich die angegebene Quelle auf derstandard.at an:

“Wenn wir an Moores Gesetz glauben, dann wird es rund 75 bis 80 Jahre lang dauern, um dieses Quanten-Limit zu erreichen”, sagt Levitin. Weiters fügt er hinzu, dass “kein System diese Grenze überschreiten kann”. Dies läge nicht an der physikalischen Natur dieses Systems, noch an den eingesetzten Algorithmen oder jeglicher Hardware und Software. “Diese Einschränkung spiegelt ein absolutes Naturgesetz wieder, so wie die Geschwindigkeit des Lichts”, so der Forscher.

Ahja. Und schon wieder keine stichhaltigen Beweise, aber immerhin fällt schonmal das Wort “Quanten”, wir sind also einen Schritt weiter. So, da auch bei diesem Artikel nicht viel rumgekommen ist, schaut man auch wieder hier auf die Quelle und landet bei livescience.com:

In the early 1980s, Levitin singled out a quantum elementary operation, the most basic task a quantum computer could carry out. In a paper published today in the journal Physical Review Letters, Levitin and Toffoli present an equation for the minimum sliver of time it takes for this elementary operation to occur. This establishes the speed limit for all possible computers.

Unglaublich, endlich mal etwas mit Inhalt! Auf deutsch (ganz grob): Es gibt elemtare Quantenoperationen, welche die kleinste Einheit bilden, die ein Quantencomputer bearbeiten könnte. Da diese Operationen den Gesetzen der Physik unterliegen, gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen – und schneller als mit dieser Geschwindigkeit kann ein auf quantenbasis rechnendes System nicht agieren.

Toll, so hat man also erst nach drei Links die Essenz einer Meldung, die im Endeffekt nicht wirklich weltbewegend ist. Aber interessant ist, zu sehen, wie es der Redakteur von derstandard.at, der ja eigentlich den Originalartikel nur übersetzt hat, den wichtigsten Teil übersehen hat. Und bei Gulli ist von der ganzen Substanz nur das angekommen, was das Klientel der Seite interessiert:

Für all diejenigen, die befürchten, schon bald nicht mehr in den Genuss eines neuwertigen und leistungsstarken Computers kommen zu können, sorgen die beiden Wissenschaftler für Erleichterung. So sei ein Computer im Bereich der besagten Obergrenze circa 10 hoch 16-fach schneller als ein heutiger High-End-Computer.

Ahja.

PS: Wer denkt, Quantencomputer wären das Ende der Fahnenstange hat nicht viel aus der technischen Entwicklung der letzten 100 Jahre gelernt … es geht immer noch einen Schritt weiter.

Innere Sicherheit > Freiheit?

Von Maik A., 12. Oktober 2009 13:09

In den vergangenen Tagen wurde auch angesichts der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP das Verhältnis von Innerer Sicherheit und Freiheit wieder stark diskutiert:

Während die CDU/CSU nach wie vor an den Entwicklungen von Vorratsdaten- speicherung oder dem BKA-Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Inhalte im Internet (sog. „Zugangserschwerungsgesetz“, kurz ZugErschwG) trotz des massiven Widerstands seitens der Netzbevölkerung sowie entgegen den Expertenmeinungen zur Effektivität eines solchen Gesetzes festhalten will,
will die FDP der zunehmenden Kriminalisierung der Bevölkerung und dem entstehenden Generalverdacht gegenüber jedem Bürger entgegentreten.

Wie weit diese Bemühungen im Rahmen der gemeinsamen Regierungstätigkeit wirklich gedeihen werden oder ob sie sich auch aufgrund der kaum vorhandenen Verhandlungsbereitschaft der CDU/CSU in Fragen der inneren Sicherheit oder aus Lobbyinteressen innerhalb der FDP selbst als leere Wahlversprechen entpuppen werden, wird sich zeigen.

Hier sei auf ein Zitat des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU) gegenüber der WELT verwiesen:

"Für die Union heißt das erste Bürgerrecht ganz klar die innere Sicherheit. Ohne sie gibt es keine Freiheit. Doch die FDP will diesen
Grundsatz umdrehen. Das machen wir nicht mit."

Das die innere Sicherheit für die Union das erste Bürgerrecht sein soll, klingt fast erschreckend. Natürlich sind Einschränkungen des Einzelnen zur Entfaltung der individuellen Freiheit in einer Demokratie notwendig, aber werfen wir mal einen Blick auf die Fakten: In den letzten 10 Jahren hat es in Deutschland nicht einen einzigen Toten bei Terroranschlägen gegeben, generell gab es in Deutschland noch nie einen international geplanten Terroranschlag. Trotzdem ergeben verschiedene Umfragen, dass teils bis zu 50% der Befragten Angst vor Terror- anschlägen haben – und das obwohl die realistische Gefahr, wirklich Opfer eines Terroranschlages zu werden, verschwindend gering ist?

Und genau diesen Effekt der Panikmache machen sich die Sicherheitspolitiker zu nutze. Maßnahmen wie Wohnraumüberwachung, Onlinedurchsuchung, Vorrats- datenspeicherung, KFZ-Kennzeichenerfassung oder biometrische Pässe dienen insgesamt nicht nur vorrangig der Terrorbekämpfung – sie sind vor allem eine generelle Ausweitung von staatlichen Befugnissen gegenüber dem Bürger, die trotz teils gesetzlich vorgeschriebener Effektivitätskontrolle nach einigen Jahren Laufzeit wohl selbst bei einem negativen Abschneiden dieser Kontrollen weiter bestehen werden – denn welche Behörde gibt schon gerne neu erhaltene Befugnisse wieder ab?

Immerhin hat die Entwicklung der letzten Monate gezeigt, dass sich immer mehr Menschen gegen diese fortschreitenden Eingriffe des Staates in ihre grundgesetzlich garantierten Freiheiten wehren wollen, was sich u.a. auch im schlechten Wahlergebnis der SPD gezeigt hat. Ob sich in der nächsten Legislaturperiode unter einer schwarz-gelben Regierung etwas ändern mag, daran darf zu zweifeln sein.

Und nach erfolgreichem Abschneiden bei der Wahl wird auch endlich mal Klartext geredet – so gab unser lieber bisheriger Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegenüber der Süddeutschen sinngemäß handwerkliche Fehler beim Zugangserschwerungsgesetz zu:

Das Gesetz zum Schutz vor Kinderpornografie sei im Endspurt des
Wahlkampfes auch deshalb entstanden, um die CDU gegenüber anderen
Parteien abzusetzen.

Deutlicher lässt es sich kaum sagen – der Kampf um das Zugangserschwerungs- gesetz war wie so oft eine Episode politischen Theaters, ausgetragen auf dem Rücken von Kindern, die eines wesentlich effektiveren Schutzes bedürfen als einer Internetzugangssperre, die sich nach Youtube-Video-Anleitung in ~3min umgehen lässt und die bereits geschädigte Kinder in keinster Weise schützt.

Ob die Befugnisse wie die des BKA-Gesetzes oder auch der Vorratsdaten- speicherung in ihren bisherigen Formen Bestand haben werden oder wie sich die Regierung ihre Befugnisse auch zukünftig irgendwie zusammen schustern wird, bleibt abzuwarten. Schaut man hierbei einmal bei anderen europäischen Mitgliedsstaaten der EU vorbei, zeigt sich, dass auch andernorts der Widerstand von Bevölkerung und auch die sich wiederholenden Zurechtweisungen der jeweiligen Verfassungsgerichte gegenüber den legislativen und exekutiven Gewalten nicht nachlassen: Rumäniens Verfassungsgericht hat gerade deren Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig erklärt.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die zunehmenden Einschränkungen unserer Grundrechte zukünftig nicht nur durch das BVerfG als letzthelfende Instanz gerade biegen lassen, sondern dass die Politik selbst den wachsenden Widerstand der Bürger gegen die Einschränkungen ihrer Freiheiten erkennt, diesen verstehen lernt und ihn auch tatsächlich bei zukünftigen Gesetzesvorhaben berücksichtigt und sich nicht von neuem zu einem politischen Theater auf der Bühne einer nächsten Bundestagswahl hinreißen lässt.

The Incident

Von Jacob Dilssner, 7. Oktober 2009 01:32

Man kann sich ja wirklich gerne über Fragen des Geschmacks streiten, aber egal, ob man nun den Output des Porcupine Tree-Frontmanns Steven Wilson mag oder nicht: Wenige Künstler können auf eine dermaßen facettenreiche Schaffensgeschichte zurück blicken. Und nicht nur in der Vergangenheit, auch gegenwärtig arbeitet Wilson an insgesamt fünf eigenen Bandprojekten und produziert noch die Musik anderer Bands.

Nach dem sehr experimentellen und freischnäuzigen Solo-Album “Insurgentes”, das im Februar diesen Jahres erschien, kommt nun “The Incident”: Ein Doppel-Studio-Album aus dem Hause Porcupine Tree.

Nach der sehr düsteren Stimmung des Vorgängers “Fear Of A Blank Planet” schlagen die Herren jetzt etwas angenehmere Töne an. Das sollte allerdings nicht zu der Annahme verführen, das Ganze wäre jetzt poppiger geworden, eher im Gegenteil: Das Album hat einen starken roten Faden, der den Hörer durch die Mosaikteile führt, aus denen der erste Teil des Albums aufgebaut ist: 14 kleine Songs (mit der Ausnahme des genialen “Time Flies”), zum Teil wirklich nur Bruchstücke mit wunderschönen Melodien und Ideen, die schnell abgelöst werden von weiteren Fragmenten. Leicht zugänglich ist anders, aber wenn man sich einmal auf die Berg- und Talfahrt der Stimmungen eingelassen hat wird “The Incident” zu einem wunderschönen und gleichzeitig sehr spannenden Stück Kunst, quasi ein 50-minütiger grandioser Song.

Der zweite Silberling ist mit vier einzelnen Songs bestückt, die wieder für sich stehen. Hier fällt die relativ kurze Spieldauer der einzelnen Lieder auf, fast schon Massenmusikstandard. Aber Gott sei Dank zählt der Inhalt. Steven Wilson und Gefährten sind ja nun schon einige Jahre im Geschäft und so kann man kaum an den technischen Fähigkeiten der vier Ausnahmemusiker herumnörgeln. So fügen sich auch die vier Songs auf der zweiten CD wunderbar in das Gesamtbild ein.

Bei “The Incident” besonders bemerkenswert finde ich den Abwechslungsreichtum. Man legt das Album ein und wird von sägenden Gitarren und stürmischen Dissonanzen empfangen. In einem fließenden Übergang treten dann für ein paar lichte Augenblicke sommerliche Klänge in den Vordergrund um wieder von nachdenklichen Pianoklängen abgelöst zu werden. Die Bandbreite der angespielten Stimmungen und Atmosphären ist umwerfend und auch überraschend, hatte doch das letzte Album eine sehr düstere Schlagseite.
Zu dem Auf und Ab der Gefühle kommt auch, dass sich Wilson und seine Mannen ein bisschen weniger in komplizierte Melodien und Rhythmen versteigen. Die meisten Gitarrenriffs sind gut, passend und mitreissend, aber eben nicht hochkompliziert, das gleiche gilt für die anderen Instrumente. Das Ganze ist natürlich immer noch Lichtjahre von platt oder einfach entfernt, aber die Musik ist leichter zugänglich und eingängiger; es gibt sogar einen richtigen Mitsingsong: “Drawing The Line”! Einzig und allein ein paar wirklich griffige Basslines von Colin Edwin hätten mich gefreut, hat der Mann doch schon gezeigt, was er auf seinem 4-Saiter so alles zaubern kann.

Alles in Allem ein wunderschönes Album, das den Hörer in ein Wechselbad von Gefühlen und Melodien wirft und doch nicht untergehen lässt. Ich freue mich schon sehr auf das Konzert hier in Berlin; wenn das so abwechslungsreich wird wie das neue Album bin ich sehr gespannt.

Anspieltipps:

  • III. Great Expectations

  • IV. Kneel And Disconnect
  • V. Drawing The Line
  • IX. Time Flies
  • XIV. I Drive The Hearse
  • Bonnie The Cat

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